Genossenschaftsidee

Die Genossenschaftsidee als eine weitreichende gesellschaftliche und institutionelle Innovation, die sich weltweit verbreitet hat und von Generation zu Generation weitergegeben wird.

 

In ihrem institutionellen Kern steht die Idee insbesondere für Eigeninitiative, Bereitschaft zur Verantwortung und Selbsthilfe sowie eine lokale Vernetzung und Verwurzelung. Zentraler Ausgangspunkt für Genossenschaften ist ihre Staatsunabhängigkeit.

 

Genossenschaften verstehen sich darüber hinaus als parteipolitisch und religiös ungebunden und leisten einen Beitrag zur Armutsbekämpfung, zur Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen sowie zur Sicherung der sozialen Teilhabe von Menschen.

 

„Einer für alle, alle für einen“ – oder anders: „Was einer nicht schaffen kann, das schaffen viele“ – dieses Konzept demokratischer Beteiligung begeistert heutzutage weltweit über eine Milliarde Menschen.

 

Genossenschaften sind „nicht die Lösung für alle sozialen, kommunalen und arbeitsmarktpolitischen Probleme“, aber sie fundieren auf Grundprinzipien und Werten, die es ermöglichen, anders zu wirtschaften und dabei einen „Member Value“, einen Nutzen für die Mitglieder in den Vordergrund zu stellen, der über das reine Aktionärsinteresse („Shareholder-Value“) hinausgeht.

Genossenschaftliche Grundsätze

International anerkannten Definitionen folgend ist eine Genossenschaft eine selbständige Vereinigung von Personen, die sich auf freiwilliger Basis zusammenschließen, um ihre gemeinsamen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse zu befriedigen und ihre Vorstellungen in einem im Gemeinschaftseigentum befindlichen und demokratisch geleitetem Unternehmen zu verwirklichen.

Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive kann die Genossenschaft als ein Unternehmen betrachtet werden, das die Interessen der Mitglieder fördert, wobei jedes Mitglied zugleich Eigentümer und Geschäftspartner des Unternehmens ist und somit unmittelbar von den Leistungen seiner Genossenschaft profitiert.

Wichtig ist hervorzuheben, dass bei einem genossenschaftlichen Unternehmen der Mensch im Mittelpunkt steht. Weiterhin wird die genossenschaftliche Identität durch Werte wie Demokratie, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Transparenz und soziale Verantwortung gestärkt.

 

Der Internationale Genossenschaftsbund (IGB) hat sieben Prinzipien für die Tätigkeiten von Genossenschaften festgelegt; sie sollen helfen, die genossenschaftlichen Werte in der Praxis zum Ausdruck zu bringen:

1. Freiwillige und offene Mitgliedschaft

Genossenschaften sind Organisationen auf freiwilliger Basis, die jedem offen stehen, der ihre Dienste in Anspruch nehmen kann und der bereit ist, die mit der Mitgliedschaft verbundenen Verantwortungen zu akzeptieren.

2. Demokratische Entscheidungsfindung durch die Mitglieder

Entscheidungsfindung in Genossenschaft erfolgt demokratisch nach dem Prinzip „Eine Person/ ein Mitglied, eine Stimme“. Gewählte Vertreter sind der Gesamtheit der Mitglieder rechenschaftspflichtig.
 

3. Wirtschaftliche Mitwirkung der Mitglieder

Mitglieder zahlen zu gleichermaßen Kapital in ihre Genossenschaft ein, über das sie eine demokratische Kontrolle ausüben. Zumindest ein Teil der Rücklagen verbleibt in der Regel im gemeinschaftlichen Eigentum der Genossenschaft. Die Mitglieder erhalten einen begrenzten Ausgleich, wenn überhaupt, für das von ihnen gezeichnete Kapital, dessen Einzahlung Grundbedingung für die Mitgliedschaft ist. Erträge werden für einen oder mehrere der folgenden Zwecke verwendet: Weiterentwicklung der Genossenschaft, Begünstigung der Einzelmitglieder im Verhältnis zu der von diesen für die Genossenschaft erbrachten Leistungen und Förderung anderer, von den Mitgliedern beschlossener Aktivitäten.
 

4. Autonomie und Unabhängigkeit

Genossenschaften sind autonome Selbsthilfe‐Organisationen, die von ihren Mitgliedern kontrolliert werden. Vereinbarungen mit Dritten oder Aufnahme von Fremdkapital erfolgen unter demokratischer Kontrolle durch die Mitglieder und unter der Gewährleistung des Fortbestands der genossenschaftlichen Autonomie.
 

5. Ausbildung, Fortbildung und Information

Genossenschaften gewährleisten Aus‐ und Fortbildung ihrer Mitglieder, ihrer gewählten Vertreter, ihrer Geschäftsführer und Angestellten, so dass diese zur Fortentwicklung ihrer Genossenschaft wirksam beitragen können. Darüber hinaus informieren sie die Öffentlichkeit ‐ besonders die Jugend und meinungsbildenden Multiplikatoren ‐ über Art und Vorzüge von kooperativem Handeln.
 

6. Kooperation mit anderen Genossenschaften

Genossenschaften dienen den Interessen ihrer Mitglieder und stärken die Genossenschaftsbewegung besonders effektiv durch Kooperation mit lokalen, regionalen, nationalen und internationalen [genossenschaftlichen] Strukturen.
 

7. Vorsorge für die Gemeinschaft der Genossenschaft

Durch die von ihren Mitgliedern beschlossene Politik arbeiten die Genossenschaften an der nachhaltigen Entwicklung ihrer Gemeinschaften.

 

Der Grad und die Art der Umsetzung der genossenschaftlichen Werte und Prinzipien in den nationalen Gesetzgebungen variiert sehr stark. Die Vielfalt der Arten von Genossenschaften führt zu der Schlussfolgerung, dass sich genossenschaftliche Identität einer Organisation nicht an der Rechtsform per se festmachen. Folglich ist es in der Hand der (potentiellen) Genossenschaftler diese Werte und Prinzipien in der Satzung der eigenen Genossenschaft zu verankern und diese später auch langfristig zu praktizieren.

Förderung der Mitglieder
Die Genossenschaft ist besonders, weil sie vom Gesetz einen klaren Auftrag bekommen hat: Förderung der Mitglieder
Was ist eine Genossenschaft.pdf
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Unternehmensform Genossenschaft
IHK-Merkblatt: Die eingetragene Genossenschaft und die europäische Genossenschaft
Unterenehmensform Genossenschaft - IHK-M[...]
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